DENKWERKZEUG → VISION
Ich kannte ihn nicht. Aber ich wusste: So möchte ich mit 60 sein.
UM 2018 · PALMA
Ein Mann auf einer Vespa.
Ich war am Paseo in Palma unterwegs, als mir ein Mann auf einer Vespa entgegenkam. Vielleicht um die 60. Flip-Flops, Weste, Bart, graue Haare, die unter seinem Helm hervorschauten. Eigentlich nichts Besonderes.
Als wir aneinander vorbeifuhren, sah er mich an und lächelte. Und genau dieses Lächeln ist bei mir hängen geblieben. Da war eine Gelassenheit drin, eine Zufriedenheit und gleichzeitig etwas angenehm Unangestrengtes. Als müsste dieser Mann gerade niemandem mehr etwas beweisen.
Ich wusste nichts über ihn. Keine Ahnung, was er beruflich gemacht hatte, wie erfolgreich er war oder wie sein Leben aussah.
Nicht zwingend mit Flip-Flops und Vespa. Obwohl ich dagegen heute auch nichts einzuwenden hätte.
Aber mit diesem Gesichtsausdruck.

VISION
Seitdem denke ich bei Vision nicht mehr zuerst an Ziele.
Als Unternehmer war ich es lange gewohnt, Zukunft über Ergebnisse zu beschreiben: Umsatz, Wachstum, Mitarbeiter, Unternehmenswert, die nächste Entwicklungsstufe.
Daran ist nichts falsch. Ein gutes Unternehmen braucht Ziele.
Die Begegnung in Palma hat bei mir aber eine zweite Frage ausgelöst, die ich heute mindestens genauso interessant finde:
Denn wir bauen als Unternehmer nicht nur Unternehmen. Wir bauen damit gleichzeitig unseren Kalender, unsere Verantwortung, unsere Abhängigkeiten und einen ziemlich großen Teil unseres Lebens.
Und manchmal merkt man erst spät, dass das eine erfolgreich geworden ist, das andere aber nicht unbedingt.
WEITER ALS DER BUSINESSPLAN
Für mich gehören heute drei Bilder zusammen.
01 · UNTERNEHMEN
Wie soll sich das Unternehmen entwickeln? Was soll wachsen, unabhängiger werden oder irgendwann auch ohne dich funktionieren?
02 · DEINE ROLLE
CEO, Owner, Beirat, Investor, Gründer eines neuen Projekts – oder weiterhin mittendrin. Hauptsache bewusst gewählt.
03 · DEIN LEBEN
Nicht der Urlaub und nicht der Ausnahmezustand. Ein ganz normaler Dienstag sagt oft mehr über eine gute Zukunft aus als jedes Vision Board.
WEITERDENKEN
Vier Fragen, die ich interessanter finde als ein perfektes Vision Statement.
Wie sieht ein richtig guter Dienstag in zehn Jahren aus?
Welche Rolle würdest du wählen, wenn du sie heute neu bauen könntest?
Was willst du bis dahin nicht mehr mitschleppen?
Woran würdest du merken: So ist es ziemlich gut?
RÜCKWÄRTS DENKEN
Interessant wird eine Vision erst, wenn sie heutige Entscheidungen verändert.
Ein schönes Zukunftsbild allein bringt wenig. Spannend wird es, wenn man von dort zurückdenkt.
Wenn ich später mehr Freiheit haben möchte, welche Verantwortung muss ich heute beginnen abzugeben?
Wenn meine Rolle in fünf Jahren anders aussehen soll, was muss mein Führungsteam bis dahin tragen können?
Wenn ich mehr Zeit für Menschen, Orte oder Themen haben möchte, die mir wichtig sind, warum ist davon heute so wenig im Kalender zu sehen?
Für mich ist Vision deshalb weniger ein Zielbild an der Wand.
UND JETZT?
Du brauchst dafür keinen perfekten Zehnjahresplan.
Aber vielleicht ein Bild davon, bei dem du spontan denkst: Ja. Wenn ich irgendwann dort stehe, wäre das ziemlich gut.
Und dann kann man anfangen, rückwärts zu denken.